Praxis für Eheberatung und Psychotherapie - Marry & Schäfer

Veröffentlichungen

Psychoanalyse in der psychiatrischen Arbeit – eine Einführung

Rezension des Buches von Karl König: Psychoanalyse in der psychiatrischen Arbeit eine Einführung

Das Paperback- Buch ist 1999 in erster Auflage beim Psychiatrieverlag in Bonn erschienen.

Der Autor, Jahrgang 31, ist Facharzt für Psychotherapie und innere Medizin, Lehranalytiker und Supervisor im Institut für Psychoanalyse in Göttingen und einer der bedeutendsten zeitgenössischen Psychotherapeuten in Deutschland, der integrative Ansätze der reinen  Psychoanalyse vorzieht, aber sehr wohl um die Bedeutung der unbewussten Instanzendynamik, der Objekttheorie und der Abwehrmechanismen weiß.


Wohltuend um Verständlichkeit bemüht, ohne die Fundiertheit seiner Ausführungen mit aufgeblähten Fachwörtern unter Beweis stellen zu wollen – und wo diese unvermeidlich sind, jeden Begriff erklärend – sind seine vielen Veröffentlichungen sowohl für den Fachmann, als auch für den Klinikpfarrer, für Pflegepersonal, Angehörige von psychisch Kranken und amtliche Fürsorger absolut empfehlenswert.


Die Gliederung des Buches ist übersichtlich und klar. Zunächst führt Herr König den Leser ein in die Grundlagen klinischer Psychoanalyse, dann folgt eine Darstellung klinisch – therapeutischer Konzepte, gefolgt von einer detaillierten Beschreibung der Beziehungsgestaltung in der psychiatrischen Arbeit.


Sowohl psychoanalytische Grundbegriffe, als auch neuere Ansätze der Systemtheorie finden Eingang in die Differenzialdiagnose und befriedigen den Praktiker insofern, als der psychisch Kranke von vornherein nicht als isoliertes, „verrücktes“ Individuum angesehen wird, der zur Reparatur in die Werkstatt „Psychiatrisches Krankenhaus“ abgegeben werden kann, sondern ein auf Solidarität und Mitverantwortung seiner Angehörigen angewiesenes Gruppenwesen.


Die Sozialprognose als wichtiges Kriterium des Therapiekonzeptes und der darauf folgenden Nachversorgung werden angesprochen.


 Des Weiteren wird der Überblick über die seelischen Abwehrmechanismen mehr Sicherheit im Umgang mit der Nomenklatur der Psychoanalyse geben: Leugnung, Idealisierung, Spaltung und ähnliche Begriffe sind bekannt, und doch ist ihre Ableitung und fachliche Definition oft eine Wissenslücke beim Bewerten von psychologischen Gutachten im prozeßrechtlichen Alltag. Diese Mechanismen sind nicht nur in der therapeutischen Übertragung wirksam, sondern auch in der Ehebeziehung.

Leider wird dieser Zusammenhang im Buch nicht weiter ausgeführt, obschon er im Hinblick auf das Verständnis des direkten, matrimonialen Umfeldes psychisch Kranker von großer Bedeutung wäre.

Es spiegelt die selbstkritische Betrachtungsweise des eigenen Berufsstandes, dass Karl König die neurosenpsycholgische Diagnostik eher auf die Psychiater selbst anwendet und die Folgerungen für deren berufliches Handeln untersucht.